
Als Anne Rüffer mich fragte, ob ich einen Artikel über unsere Zusammenarbeit für den Videokanal des rüffer & rub Sachbuchverlags schreiben wollte, konnten wir schon auf eine mittlerweile dreijährige Zusammenarbeit und 36 Videogespräche zurückblicken. Es freut mich, einige der Erfahrungen, Eindrücke und ja, in der Tat auch »Einsichten« zu teilen, die in dieser Zeit entstanden sind.
Im Sommer 2019 nahm die Verlegerin Anne Rüffer mit unserer Filmagentur Vibrations Kontakt auf. Sie hatte die Idee, mithilfe von Videos ihre Bücher bekannter zu machen. Es war also noch lange vor der Pandemie und der explosionsartig angestiegenen Nachfrage nach Online-Filmformaten. Da es immer schwieriger wurde, mit ihren Büchern und deren Themen in herkömmlichen Printmedien Aufmerksamkeit zu erhalten und die Anzahl der Besprechungen bei gleichbleibendem Aufwand abnahm, suchte der Verlag einen innovativen Weg, Bücher und Autor:innen in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen.
Und so fanden sich das gesamte Verlagsteam und ich wenig später im Verlag um den großen Holztisch versammelt. Vor uns lag die Herausforderung, konkrete Ziele zu formulieren und den inhaltlichen Fokus sowie die richtige Form für die Videos zu definieren.
Schnell war allen klar, es ging uns nicht um direkte Produktwerbung, sondern wir wollten einen umfassenderen Effekt erzielen: Auch der Verlag sollte als Ganzes präsenter und seine Marke gestärkt werden.
Auf der Suche nach dem richtigen Ausdruck führte uns der Weg zum Zielpublikum des Verlags: den Leser:innen. Diese sind zwar demografisch und von ihren spezifischen Interessen her sehr heterogen, jedoch zeichnete sich unter ihnen eine klare Haltung ab: Die Leser:innen von rüffer & rub verstehen sich als aktive Menschen, die etwas bewegen wollen. Und sie haben in einer Welt des medialen Fast Foods den Anspruch, sich mit Themen umfassend zu beschäftigen.
Diese und weitere Erkenntnisse führten dazu, dass wir keine klassischen Werbefilme produzieren wollten, sondern stattdessen hochwertige Inhalte. Wir entschieden uns deshalb gegen Kurzclips und dafür, unseren Videos über 15, manchmal sogar 30 Minuten Zeit zu geben. Damit war das Format »Einsichten & Klartext« geboren: Ausführliche Themengespräche mit Autor:innen am Verlagstisch.
Bereits im Herbst 2019 begannen wir mit der Produktion der ersten Videos. Im kleinen Team verwandelten wir den Verlag für zwei Tage in ein kleines Studio und luden die ersten Autor:innen für intensive Gespräche über ihre Bücher ein. Der große Holztisch, an dem ein paar Monate zuvor alles begann, wurde zu unserer Bühne und einem klaren Wiedererkennungsmerkmal. Durch die Licht- und Kameraarbeit differenzieren sich die Gesprächsvideos zusätzlich von schnelllebigerem Content.

Für einige spezielle Themen wichen wir von diesem Setting ab. So drehten wir zum Beispiel im Sommer 2020 im Theater Rigiblick und betteten vier Chanson-Performances in das Gespräch mit Daniel Fueter und Philip Bartels über ihr Buch »’s fehlt no es Lied« ein. Und im Video zur Kolumnensammlung »Jung & Alt« von Ludwig Hasler und Samantha Zaugg lassen wir das Videopublikum das Dialogformat des Buches direkt erleben, indem wir auf eine klassische Moderation verzichteten und die beiden auf Stichworte reagieren ließen.
Manche Interventionen sind sehr intensiv und aufwändig: So drehten wir mit dem Tänzer Azad Ali für das Buch »verlassen – Über existenzielle Lebensmomente« im Zürcher Tanzhaus eine fantastische Choreografie von Salome Schneebeli, die in dem Video zu sehen ist.
Zum einen wollten wir mit den inzwischen 36 Videos die bestehenden Leser:innen des Verlags erreichen und verwiesen über Mailings, die Website und auf den Social-Media-Kanälen auf die neuen Gesprächsvideos. Zum anderen wollten wir aber auch neue Interessent:innen erschließen. Dies erreichten wir durch die Einbettung der Videos auf dem Videokanal »rüffer & rub Verlag« bei YouTube.
Inzwischen erzielen die Videos durchschnittlich 3000 bis 5000 Aufrufe, wobei einzelne Themen auch schon ein deutlich größeres Publikum erreichten. So hat das Gespräch »Weshalb warten zum Tod Verurteilte in den USA Jahrzehnte auf die Hinrichtung?« mit Ursula Corbin über 35 000 Aufrufe.
Die Rezeption der Videos ist in all den Monaten deutlich gestiegen, und die Rückmeldungen lassen eine gesteigerte Präsenz des Verlags spürbar werden. Die Sichtbarkeit der Autor:innen in der ganzen Branche, bei Festivalorganisator:innen und Medienvertreter:innen hat sich ebenfalls deutlich verbessert. Die Ziele wurden also gut erreicht.
Bildlegende: (oben v.l.n.r): Felix Ghezzi, Julian Quentin, Anne Rüffer, Ursula Pellaton und Julia Wehren bei den Dreharbeiten über die Biografie von Ursula Pellaton, © rüffer&rub Sachbuchverlag | Julian Quentin und Helmut Vogel diskutieren im Theater Rigiblick über den Ablauf des Drehs zum Chanson »Berliner Morgen«, © Felix Ghezzi | Samantha Zaugg und Ludwig Hasler (»Jung & Alt«) konzentriert vor der ersten Aufnahme, © Laila Defelice.
(unten v.l.n.r): Studiosetting im Verlag zum Video von Bärbel Reetz (»Berlin, Marienstraße 23«), © Felix Ghezzi | Maja Stolle und Julian Quentin in einer Drehpause, © Felix Ghezzi.
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