
Peter Finckh suchte schon während seines naturwissenschaftlichen Studiums den Zugang zum Spirituellen. Er fand ihn in der Auseinandersetzung mit dem Sufismus. Viele Jahre später und kurz vor der Pensionierung fing er an, Sufi-Texte zu publizieren und zu übersetzen. Inzwischen sind in seiner Edition Shershir 16 Bücher erschienen, deren Herstellung von rüffer & rub begleitet wurde.
Der persische Sufi-Mystiker Rumi schrieb im 13. Jahrhundert: »Stille ist die Sprache Gottes, alles andere ist Übersetzung.« Rund 700 Jahre später wird der Philosoph Paul Watzlawick mit dem oft zitierten Satz »Man kann nicht nicht kommunizieren« berühmt. Im Verständnis Rumis ist das Kommunizieren folglich bereits eine Übersetzung und die Übersetzung seines ursprünglich persischen Satzes ins Deutsche also eine Übersetzung der Übersetzung – ganz abgesehen davon, dass Rumis Verse Übersetzungen seiner Gedanken sind, die er einem Schreiber diktierte.
Peter Finckh gründete 2010 die Edition Shershir, bis heute ein Einmannbetrieb, die sich der modernen Übersetzung wegweisender Sufi-Literatur in die deutsche Sprache widmet. Am Anfang übersetzte Finckh Bücher aus dem Englischen ins Deutsche, so »Ibn ’Arabi – Erbe der Propheten« von William C. Chittick. Der US-amerikanische Professor für vergleichende Religionen breitet in diesem Werk sein Wissen über den Sufismus aus und übersetzte Zitate verschiedener Sufis des 13. Jahrhunderts aus dem Arabischen und Persischen.
Inzwischen lernt Peter Finckh seit fast sieben Jahren Persisch und verbrachte insgesamt dreieinhalb Jahre im Iran, bis ihn die Corona-Epidemie zwang, für längere Zeit in die Schweiz zurückzukehren. Das Leben im Iran hat ihm nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell einen vertieften Zugang zu den Sufi-Texten vermittelt. Die Wüste, die Salzseen und Berge, aber auch die noch bestehenden Karawansereien (Übernachtungsstationen und Warenumschlagplätze an Zweigen der alten Seidenstraße) und gar Karawanen vor Ort gesehen zu haben, haben einen direkten Einfluss auf seine Übersetzungsarbeit. Auch ist Finckh Mitglied des Schweizer Mevledi-Ordens, der rund 40 Mitglieder hat und sich jeweils donnerstags trifft. Es ist der Orden des anfangs erwähnten Sufi-Meisters Rumi, auch »Prophet der Liebe« genannt.
Demnächst soll der vierte von acht Bänden von Rumis rund 1050 Liebesgedichten erscheinen. Peter Finckh arbeitet mehrmals wöchentlich via Videochat zusammen mit einer 37-jährigen Iranerin, die in Teheran seine Sprachlehrerin war, an der Übersetzung. Im Gegensatz zur deutschen Sprache hat sich das Persische, eine indogermanische Sprache, seit dem 13. Jahrhundert unwesentlich verändert, vor allem die Grammatik ist sehr stabil geblieben. Das vereinfacht den beiden den Zugang zu den mehrere Jahrhunderte alten Texten. Eine größere Herausforderung ist die blumige Sprache von Rumi, aber auch, dass es sich um Gedichte handelt, bei denen der Autor sehr viel mehr Freiheiten hat als bei Prosa- oder Sachtexten. Finckh erstellt von einem Gedicht jeweils einen ersten groben Übersetzungsentwurf. Mit seiner Kollegin diskutiert er dann die Bedeutung der einzelnen Wörter. In einem weiteren Durchgang geht es darum, das Gedicht in seiner Gesamtheit zu verstehen und sprachlich so zu übersetzen, dass die Sätze des Propheten der Liebe nicht nur Kommunikation sind, sondern auch im Deutschen die Herzen der Leser:innen berühren.
Programm auf: www.shershir.ch; Bücher sind im (Online-) Buchhandel erhältlich.
Bildlegende: Der Übersetzer und Verleger Peter Finckh mit einer Auswahl seiner Bücher mit Sufi-Texten. © Felix Ghezzi
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